Was sind Negativzinsen?

und welche Folgen haben Sie für Privatpersonen?

Wer Geld verleiht bekommt dafür Zinsen. So war es schon immer. Seit wenigen Jahren hat sich das Blatt aber gewendet, denn immer häufiger fallen die Zinsen ins Minus und der Gläubiger muss dem Schuldner Geld zahlen.

Letzte Überarbeitung Februar 2021

Angelika Weber

Angelika Weber

Expertin bei Kreditfragen

1. Factbox zum Thema Negativzins
2. Was versteht man unter Negativzinsen?
3. Wen können Negativzinsen treffen?
4. Muss ich Negativzinsen für Sparguthaben bezahlen?

Factbox zum Thema Negativzinsen

✔ Negativzinsen bedeuten: Der Gläubiger (meistens die Bank) muss Zinsen an den Schuldner (an den Kreditnehmer) zahlen
✔ Seit 2014 ist EZB Einlagezins im negativen Bereich
✔ Der EZB Einlagezins hat Einfluss auf andere Zinssätze wie z. B. der Euribor
✔ In Österreich sind keine Sparer davon betroffen
✔ Laut OGH-Urteil dürfen Banken bei Sparkonten keine Negativzinsen erheben
✔ Unternehmen können von Negativzinsen betroffen sein
Gut für Kreditnehmer – bei variablem Zinssatz muss der Negativzins vom Bankaufschlag abgezogen werden – es können Sollzinsen bis auf 0% und bei alten Kreditverträgen sogar darunter sinken
✔ Fixzinskredit werden dadurch günstiger

Was versteht man unter Negativzinsen?

Negativzinsen oder manchmal auch Strafzinsen genannt, sind das Konträr zu positiven Zinsen. Normalerweise bekommt der Kreditgeber die Zinszahlungen vom Schuldner bzw. Kreditnehmer. Gibt es einen Negativzins ist es genau umgekehrt: Der Kreditgeber schuldet dem Kreditnehmer die Zinsen.

Wie entstehen Negativzinsen?

Vor 15 Jahre galt es noch als unmöglich, das Negativzinsen entstehen können. Erstmals traten diese aber schon im Jahr 2012 auf, da skandinavische Notenbanken den Leitzins unter null Prozent senkten. So zog die EZB nach. Dadurch wird versucht die wirtschaftliche Lage anzukurbeln, denn niedrige Zinsen heißt billiges Kapital. Unternehmen sollen investieren und Privatpersonen konsumieren.

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Wen können Negativzinsen treffen?

Vor allem Geschäftsbanken sind davon betroffen, da diese nun zahlen müssen, wenn sie bei der EZB ihr Geld hinterlegen möchten.

Ob Sie als Verbraucher auch davon betroffen sein können hängt von der Bank ab. Manche Banken geben die Strafzinsen an die Kunden weiter. So müssen Sparer dann für Einlagen zahlen, wohingegen Kreditnehmer davon profitieren. Es ist immer wieder Gegenstand einer rechtlichen Debatte, ob Banken die Zinsen weitergeben dürfen.

Beim Thema Immobilienkredite gibt es mittlerweile auch Gewissheit. Wenn Sie einen Kredit mit variablen Zinsen haben, dann verringert sich durch den negativen Zins der zu zahlende Kreditzins (bis minimal 0%). Bei alten Kreditverträgen, kann es sogar unter Null gehen – also eine Reduktion der Kreditrate.

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Muss ich Negativzinsen für Sparguthaben bezahlen?

Als Besitzer eins Sparguthabens sehen Sie natürlich in den Negativzinsen die andere Seite des Regenbogens. Aber kein Grund zur Sorge, denn österreichische Banken dürfen keine negativen Zinsen auf private Sparkonten einführen.

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Sind Girokonten vor Negativzinsen geschützt?

Leider nein. Die Regelung der OGH gilt nämlich nur für Sparkonten und dazu zählen Girokonten nicht. Auch wenn Sie sich nicht in absoluter Sicherheit wiegen sollten können Sie vorerst aufatmen: Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass Bank Strafzinsen einführen wollen.

Jedoch können die Strafzinsen oft als Verwahrenentgelt an den Privatkunden gebracht werden. Wenn Ihre Kontoführungs- und Überweisungsgebühren plötzlich ansteigen, können Sie dies als einen Hinweis auf verdeckte Strafzinsen sehen.

Negativzinsen bei Fremdwährungskrediten

Auch bei Fremdwährungskrediten sind Negativzinsen ein Thema.

Der 3-Monats-Libor für Schweizer Franken befindet sich seit 2014 im Minusbereich. Trotzdem gelten auch hier ähnliche Regelungen wie in Österreich. Der Kreditnehmer bekommt keine Zahlung, sondern die Zinsen sinken im besten Fall auf 0%.

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