Zinsen verstehen

Was sind Negativzinsen?

Zinsen kennt jeder andersherum: Wer Geld verleiht, bekommt etwas dafür. Bei Negativzinsen dreht sich genau das um. Der Gläubiger zahlt an den Schuldner. Was wie ein Rechenfehler klingt, hat zwei Seiten: gut für Kreditnehmer, unangenehm für Sparer.

4,6
4,6 von 5 Sternen (basierend auf 5 Bewertungen)
Auf einen Blick

Factbox zum Thema Negativzinsen

Das Wichtigste vorab, kurz und auf den Punkt. Negativzinsen drehen das gewohnte Spiel um und treffen Sparer und Kreditnehmer ganz unterschiedlich.

Die Welt steht Kopf

Bei Negativzinsen zahlt der Gläubiger, meist die Bank, Zinsen an den Schuldner. Nicht umgekehrt.

Die EZB gibt den Takt vor

Der Einlagezins der EZB beeinflusst Sätze wie den Euribor. Fällt er ins Minus, können Negativzinsen entstehen.

Sparkonten sind geschützt

Laut OGH-Urteil dürfen Banken auf private Sparkonten keine Negativzinsen erheben. Ihr Sparbuch bleibt sicher.

Gut für Kreditnehmer

Bei variablem Zinssatz wird der Negativzins vom Bankaufschlag abgezogen. Der Sollzins kann bis auf 0 % sinken, bei alten Verträgen sogar darunter.

Fixzins wird günstiger

Auch Fixzinskredite profitieren: Sinken die Marktzinsen ins Minus, werden neue Fixzinsangebote spürbar günstiger.

Was versteht man unter Negativzinsen?

Negativzinsen, manchmal auch Strafzinsen genannt, sind schlicht das Gegenteil von positiven Zinsen.

Normalerweise kassiert die Bank als Kreditgeber die Zinsen vom Kreditnehmer. Beim Negativzins läuft es genau andersherum: Der Kreditgeber schuldet dem Kreditnehmer die Zinsen.

Klingt paradox, ist aber ein bewusst eingesetztes Werkzeug der Geldpolitik.

Zinsen im negativen Bereich, Symbolbild Negativzinsen

Wie entstehen Negativzinsen?

Die Höhe der Zinsen für Kredite und Sparprodukte richtet sich nach der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Soll die Konjunktur angekurbelt werden, senkt die EZB die Zinsen. Kredite werden günstiger, Unternehmen investieren leichter. Unter Umständen rutscht der Leitzins dabei sogar ins Minus.

Die Logik dahinter: Geld ausgeben lohnt sich mehr als horten. Für Sparer wird das Parken auf dem Konto unattraktiv, für Kreditnehmer wird der Kredit umso interessanter.

Wer betroffen ist

Wen können Negativzinsen treffen?

An erster Stelle stehen die Banken selbst. Ob es bei Ihnen als Verbraucher ankommt, hängt davon ab, was Ihre Bank mit den Strafzinsen macht.

Zuerst die Geschäftsbanken

Hinterlegen Geschäftsbanken Geld bei der EZB, müssen sie auf negative Einlagezinsen selbst zahlen. Sie sind die Ersten, die der Negativzins trifft.

Manche Banken geben weiter

Ob der Strafzins bei Ihnen landet, entscheidet Ihre Bank. Manche reichen ihn weiter: Sparer zahlen, Kreditnehmer profitieren. Ob das überhaupt erlaubt ist, war immer wieder Gegenstand rechtlicher Debatten.

Variabler Kredit: Rate sinkt

Haben Sie einen Kredit mit variablen Zinsen, drückt der Negativzins Ihren Kreditzins, bis minimal 0 %. Bei alten Verträgen kann er sogar darunter rutschen und Ihre Rate sinkt.

Gut zu wissen: Ob und wie weit ein negativer Marktzins an Sie weitergegeben wird, steht in Ihrem Kreditvertrag. Ein Blick in die Zinsklausel lohnt sich, gerade bei älteren Verträgen.

Muss ich Negativzinsen für mein Sparguthaben zahlen?

Als Sparer sehen Sie in Negativzinsen verständlicherweise die unangenehme Seite der Medaille. Doch hier kommt die Entwarnung.

Kein Grund zur Sorge: Österreichische Banken dürfen auf private Sparkonten keine negativen Zinsen einführen. Das hat der Oberste Gerichtshof klar entschieden.

Ihr Erspartes wird also nicht durch Strafzinsen aufgezehrt. Im Niedrigzinsumfeld bleibt aber die Frage: Wo legen Sie Ihr Geld sinnvoll an, statt es nur zu parken?

Was ist der Unterschied zwischen Negativzins und Strafzins?

Beide Begriffe meinen dasselbe: einen Zinssatz unter null. „Strafzins“ ist die umgangssprachliche Bezeichnung dafür, dass Sparer für ihre Einlagen zahlen statt etwas zu bekommen. Auf private Sparkonten ist das in Österreich nicht zulässig.

Profitiere ich als Kreditnehmer automatisch von Negativzinsen?

Nur wenn Ihr Kredit einen variablen Zinssatz hat und der Referenzzinssatz ins Minus fällt. Entscheidend ist die Zinsklausel in Ihrem Vertrag. Bei Fixzinskrediten ändert sich Ihre laufende Rate nicht, dafür sind neue Fixzinsangebote dann günstiger.

Können Negativzinsen meine Kreditrate unter null drücken?

In Ausnahmefällen ja, vor allem bei sehr alten Verträgen ohne Untergrenze. Üblicherweise ist bei 0 % Schluss, weil die Banken eine Zinsuntergrenze vereinbart haben.

Der nächste Schritt

Auf der Suche nach einem passenden Kredit?

Ob die Zinsen steigen oder fallen, am Ende zählt das beste Angebot für Ihre Situation. Ein Kreditvergleich zeigt Ihnen schwarz auf weiß, wo Sie die günstigsten Konditionen bekommen.

Kostenlos & unverbindlich

Keine Registrierung

Top Konditionen

Experten-Gespräch

Jetzt Kreditangebote online anfordern

Vergleichen Sie die Konditionen mehrerer Banken auf einen Blick. Online, unverbindlich und ohne Registrierung. Unsere Experten unterstützen Sie dabei.

Kreditangebote anfordern
Ihre Meinung zaehlt

Beitrag bewerten

Tim Andersson
Verfasst von

Tim Andersson

Tim Andersson ist ein erfahrener Experte für Umschuldungen & Finanzierungen in Österreich. Tim interessiert sich schon lange für das Thema Finanzen und hat sich nach 5 Jahren als Bankberater dazu entschieden, sich auf Immobilienfinanzierungen und Umschuldungen zu konzentrieren. Seither arbeitet er als unabhängiger Finanzierungsexperte. Seit 2021 schreibt Tim nebenbei auch Ratgeber-Beiträge für unser Portal. In seinem privaten Blog informiert er ebenfalls über verschiedene Finanzthemen in Österreich.

Alle Beiträge von Tim Andersson →